Aktuelle Urteile

Unterschiede zwischen Führerscheinentzug und Fahrverbot

Führerscheinentzug und Fahrverbot – Gibt es Unterschiede?

Die beiden Begriffe Fahrverbot und Führerscheinentzug werden oft synonym gebraucht, bezeichnen aber unterschiedliche Sachverhalte.

Ein Fahrverbot ist zeitlich begrenzt. Für einen bestimmten Zeitraum ist es untersagt, ein Fahrzeug zu führen, und der Führerschein muss bei der zuständigen Behörde, also der Bußgeldstelle, dem Straßenverkehrsamt oder der Polizei abgegeben werden. Auf einem entsprechenden Bescheid ist vermerkt, wann und wo der Führerschein abgegeben werden muss. Nach Ablauf der Frist muss der Führerschein vor Ort abgeholt werden oder wird bei Einschreiben zugesandt. Ein Fahrverbot dauert einen bis maximal drei Monate. Verzögert sich die Abgabe des Führerscheins, verschiebt sich die Dauer des Fahrverbotes entsprechend.

Ein Führerscheinentzug wird durch ein Gericht oder eine Verwaltungsbehörde verhängt und führt zu einer Ungültigkeit des Führerscheins. Dabei wird die Fahrerlaubnis entweder ganz eingezogen oder das Dokument wird mit einem Ungültigkeitsvermerk gekennzeichnet. Zusätzlich wird eine Sperrfrist bis zu Neubeantragung verhängt. Diese beträgt mindestens sechs Monate. Anschließend muss der Führerschein neu beantragt werden, wofür bestimmte Bedingungen, wie eine Nachschulung oder die MPU, zur Auflage gemacht werden können.

Bei einem Fahrverbot wird der Führerschein für eine bestimmte Frist einbehalten und dem Kraftfahrer anschließend wieder ausgehändigt. Handelt es sich jedoch um einen Führerscheinentzug, muss das Dokument nach Ablauf der Sperrfrist neu beantragt werden.

Wann Fahrverbot, wann Führerscheinentzug?

Grob rücksichtsloses oder verkehrswidriges Verhalten im Straßenverkehr stellt eine Verkehrsstraftat dar, welche mit einer Geld- oder Freiheitstrafe und oftmals zusätzlich mit einem Fahrverbot geahndet wird (§ 44 StGB).

Außerdem können Fahrverbote in Folge von Bußgeldverfahren wegen einer Verkehrsordnungswidrigkeit ausgesprochen werden.

Der endgültige Führerscheinentzug tritt bei einer Nichteignung zum Führen von Kraftfahrzeugen ein und ist nach dem Strafrecht oder dem Verwaltungsrecht geregelt.

Führerscheinentzug nach Strafrecht:

  • Gefährdung des Straßenverkehrs
  • Unerlaubtes Entfernen von einem Unfallort / Fahrerflucht
  • Trunkenheit im Verkehr (auch bei Fahrradfahrern)
  • Vollrausch, wenn die Rauschtat eine der vorigen Straftaten ist

Führerscheinentzug nach Verwaltungsrecht

  • Körperliche Mängel (z.B. unausgleichbare Sehschwäche, nicht kompensierbarer Altersabbau, Epilepsie etc.)
  • Geistige Mängel (z.B. Schizophrenie, schwere Depression etc.)
  • Charakterliche Mängel (z.B. wiederholte Verstöße gegen Verkehrsvorschriften, Trunkenheit, Drogeneinfluss)
  • Überschreitung der 8-Punkte-Marke im Fahreignungsregister

Tipps für den Führerscheinentzug:

  1. Die Bearbeitungszeiten können mitunter sehr lang sein. Der Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis sollte daher acht bis 10 Wochen vor Ablauf der Sperrfrist eingereicht werden.
  2. Bei einer MPU sollte man mit einer Bearbeitungszeit von bis zu drei Monaten rechnen.