Aktuelle Urteile

Was ist die MPU und wie läuft sie ab?

Die medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) – im Volksmund auch Idiotentest genannt – wird angeordnet, wenn die Fahrerlaubnisbehörde Zweifel an der Fahrtüchtigkeit des Führerscheininhabers hat.

Wann findet eine MPU statt?

Laut der Verkehrsbehörde bestehen mehr als 62 % der Kandidaten die MPU beim ersten Mal. Die Anordnung der medizinisch-psychologischen Untersuchung erfolgt dabei nicht grundlos, sondern wird immer im Zusammenhang mit bestimmten Verstößen gegen die StVO empfohlen:

  • Fahren unter Alkoholeinfluss: bei 1,6 Promille oder darüber, in einigen Bundesländern auch ab 1,1 Promille; dies gilt auch für das Fahrradfahren unter Alkoholeinfluss
  • Wiederholte Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss: ab 0,5 Promille bzw. ab 0,3 Promille bei Straftaten
  • Drogenmissbrauch: Fahren unter Drogeneinfluss sowie Hinweise auf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz auch außerhalb des Straßenverkehrs
  • 8 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei
  • Schwerwiegende Straftaten im Straßenverkehr: zum Beispiel Straftaten, die auf eine geringe Impulskontrolle und / oder eine hohe Aggressivität hinweisen
  • Geistige oder körperliche Mängel: bspw. starke Einschränkungen des Hör- oder Sehvermögens, Altersdemenz oder Affektive und schizophrene Psychosen

Der Ablauf

In der Regel besteht eine MPU aus vier Teilen: einem Fragebogen, einem Leistungstest sowie einer ärztlichen und psychologischen Untersuchung. Anschließend entscheidet ein Gutachter, ob eine Teilnahme am Straßenverkehr wieder möglich ist oder nicht.

Fragebogen

Bei einer MPU werden keine Persönlichkeitsfragebögen eingesetzt. Hierbei werden lediglich Daten erhoben, die das anschließende Gespräch mit dem Arzt oder Psychologen im Vorfeld strukturieren. Der Fragebogen der MPU besteht in der Regel aus drei Teilen:

  1. Fragebogen zum Lebenslauf: Hier geht es bspw. um den beruflichen und schulischen Werdegang, ggf. bereits erfolgte Schulungen und Therapiemaßnahmen und welche Führerscheinklassen vorhanden sind oder waren.
  2. Gesundheitsfragebogen: Hier werden der aktuelle und frühere Gesundheitszustand, derzeitige Erkrankungen sowie frühere schwere Erkrankungen erhoben.
  3. Anlassbezogener Fragebogen: Im Fall von Drogen- oder Alkoholvergehen wird hier zum früheren Umgang mit Drogen bzw. Alkohol und den damit einhergegangenen Veränderungen gefragt.

Leistungstest

Bei diesem Test am Computer werden die Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zur raschen Orientierung getestet. Es erfolgt eine gründliche Einweisung in den Test und eine Übungsphase, sodass für jeden Teilnehmer optimale Voraussetzungen geschaffen werden. Dieser Test dauert in der Regel zwischen 15 und 45 Minuten. Wenn jemand diesen Test nicht besteht, muss nicht die gesamte MPU wiederholt werden. In diesem Fall findet eine Fahrprobe mit einem Fahrlehrer und einem Psychologen statt.

Medizinische Untersuchung

Der Arzt prüft, ob beim Fahrer gesundheitliche Einschränkungen vorliegen, die das Fahren beeinträchtigen könnten. Im Rahmen der medizinischen Untersuchung werden auch Eintragungen in der Führerscheinakte, etwa zu Trunkenheitsfahrten, berücksichtigt. Dazu werden durch einen Bluttest bzw. Urin-Screening die Alkohol- und Drogenwerte überprüft.

Psychologisches Gespräch

Der vierte wichtige Teil der MPU ist anschließend das Gespräch mit einem Psychologen. Dieser befragt den Kandidaten zu seinen bisherigen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung und weiteren Verhaltensauffälligkeiten und eventuellen Suchtproblematiken. Es wird weitergehend geprüft, ob der ehemalige Führerscheinbesitzer sein Fehlverhalten beim Fahren erkannt hat und sich mit seinem Fahrfehlverhalten, das zur MPU geführt hat, auseinandergesetzt hat. Um hierbei einen positiven Eindruck bei dem Gutachter zu erlangen reicht es jedoch nicht aus, wenn der Kandidat Reue zeigt und eine Besserung seines Fahrverhaltens verspricht. Er muss auch nachweisen können, dass bereits eine Veränderung des Verhaltens stattgefunden hat. Dies kann er zum Beispiel durch eine länger Alkohol- und Drogenabstinenz (nachgewiesen durch medizinische Tests) sowie Änderung des generellen Lebensstils tun. Letztendlich zählt der Gesamteindruck, den der Kandidat bei dem Gutachter hinterlässt.

Das Gutachterergebnis

Fällt das Gutachten der Tests positiv aus, kann die Führerscheinstelle trotzdem die Herausgabe des Führerscheins verweigern, denn die MPU ist nur eine Empfehlung. Bei einer negativen Beurteilung werden meist Empfehlungen gegebenen, wie die Fahrerlaubnis wieder erlangt werden kann. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, einen Nachschulungskurs zu absolvieren. Wird dieser erfolgreich bestanden, erhält der Prüfling seine Fahrerlaubnis zurück.