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MPU wegen Alkohol oder Drogen am Steuer

Wird ein Kfz-Fahrer mit mehr als 1,6 Promille am Steuer erwischt, muss er sich der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen. Schon ab 1,1 Promille droht in Deutschland der Entzug des Führerscheins. Allgemein darf ein Fahrer in Deutschland nicht mehr als 0,5 Promille im Blut haben, ansonsten droht ein empfindliches Bußgeld. Jedoch wird in Einzelfällen auch bei geringeren Promillewerten eine MPU angeordnet. Dies ist häufig dann der der Fall, wenn die Führerscheinstelle annimmt, dass der Fahrer ein Alkoholproblem hat. Häufige Trunkenheitsfahrten werden dabei sehr oft als Hinweis gesehen. Wird ein Verkehrsteilnehmer unter dem Einfluss von Drogen erwischt, ist ein Führerscheinentzug unausweichlich. Dabei ist es egal, ob er gerade Auto fährt, mit dem Fahrrad unterwegs ist oder auch nur spazieren geht. Die Führerscheinstelle bezweifelt dann, dass der Drogenkonsument dazu in der Lage ist, am Straßenverkehr teilzunehmen ohne sich selbst oder andere zu gefährden. Nur bei dem einmaligen Konsum von Cannabis zeigen sich die Behörden oftmals gnädig. Hier müssen die Führerscheinbesitzer in der Regel nicht befürchten, dass ihnen die Fahrerlaubnis entzogen und eine MPU angeordnet wird.

Abstinenznachweis

In einigen Fällen wird für das Bestehen der MPU ein Nachweis über einen 100-prozentigen Alkoholverzicht verlangt. Bei der angeordneten MPU aufgrund von Drogeneinfluss muss immer ein Beweis für Abstinenz erbracht werden. Hierzu werden das Blut, der Urin und sogar die Haare auf Alkohol- oder Drogenkonsum untersucht. Weiterhin kann ein Kontrollprogramm bei einer Begutachterstelle zum Nachweis des Verzichts absolviert werden. Bis zu einem Jahr kann der Nachweisprozess über die Alkohol- oder Drogenabstinenz dauern. Dazu gibt es folgende zwei Möglichkeiten:

  1. Urinprobe: Über einen zugelassenen Untersuchungsanbieter in der Nähe werden Urinproben erbracht. Dies geschieht 4x (bei einem Nachweis über 6 Monate) 6x (bei einem Nachweis über 12 Monate). Der Proband wird dazu kurzfristig zum Test einberufen und muss innerhalb eines Tages erscheinen. Tut er dies nicht, werden alle bisher erbrachten Nachweise hinfällig. Bei einem Urintest zur Abstinenz sollten Sie also dafür Sorge tragen, tatsächlich telefonisch erreichbar zu sein.
  2. Haaranalyse: Eine Haaranalyse gilt für je 3 Monate. Bei einer Nachweiszeit von 6 Monaten werden also 2 Haarproben benötigt und 3 Haarproben bei einer Nachweiszeit von 12 Monaten. Die Haare dürfen dabei nicht gefärbt sein und müssen mindestens 3 cm lang Die Haarprobe wird ohne vorherige Einbestellung von einem Verkehrsmediziner entnommen und an ein akkreditiertes Labor geschickt.

Kontrolliertes Trinken

In manchen Fällen wird nicht zwingend ein Abstinenznachweis verlangt. Alkoholsünder haben hierbei die Möglichkeit zu beweisen, dass sie ab jetzt nur noch kontrolliert trinken. Das bedeutet jedoch, dass sie strenge Vorgaben einhalten müssen.

Kontrolliertes Trinken bedeutet, dass der Konsument nur noch sehr selten, sehr wenig und vor allem nicht spontan Alkohol trinkt. Jedes Glas muss also im Voraus geplant werden. Auch hier müssen die üblichen Nachweise durch Leberwerte, Urinproben und Haaranalysen regelmäßig erbracht werden.

Veränderung der Lebensgewohnheiten entscheidend

Perfekte Leberwerte sowie ein erbrachter Nachweis über die Abstinenz von Alkohol und Drogen sind jedoch noch keine Garantie für eine positive Bewertung durch den Gutachter. Dieser muss erkennen können, dass bei dem Verkehrssünder eine Einsicht und tiefergehende Auseinandersetzung mit seinen Problemen, die zum Alkohol- oder Drogenkonsum geführt haben, stattgefunden hat. Ein geregelter Alltag, eine Arbeit und sonstige Änderungen in verschiedenen Bereichen des Lebens können als Hinweis dienen.